10jähriges Bestehen d. Vereins

Die Interessengemeinschaft Bergbau und Mineralien Olbernhau und Umgebung e.V. besteht seit 1996. Sie verfolgt das Ziel, den vergessenen Bergbau in und um Olbernhau durch Forschung wieder zu beleben und den ersten Schürfungen auf den Grund zu gehen.
Von Bedeutung für die IG waren bisher eine Grube im Rungstocktal, die vom Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt Olbernhau soweit saniert wurde, dass sie als Winterquartier für Fledermäuse dem Naturschutzbund übergeben werden konnte. Ferner wurde der Hauboldstollen, der sich ebenfalls im Rungstocktal befindet, teilsaniert. Dieser befindet sich heute in Privatbesitz.
Im Zuge der Auswertung von historischen Bergbauakten und Karten fand der Verein heraus, dass es am Gründelbach, unweit der alten Schäferei, verschüttete Bergbauhinterlassenschaften gibt. Man konzentrierte sich auf den "Gnade-Gottes-Erbstollen" (1714).



Gnade Gottes Ebstollen (1714 - 2000)

Gnade Gottes Ebstollen (1714 - 2000)




Nach umfangreichen Messungen durch die Bergbauakademie Freiberg konnte bewiesen werden, dass der Berg hier alte Grubenbaue aufwies. Man begann sodann mit der Sanierung. Eine großzügige Unterstützung erfuhr die IG durch Sponsoren und interessierte Organisationen.
Bei der Freilegung des Einganges wurde ein mannshohes Mundloch entdeckt. Dahinter tat sich ein Stollen von ca. 20 Meter Länge auf. Bei weiteren Vorstößen ins Innere des Berges wurde klar, dass der Stollen in den letzten Jahren ds 2. Weltkrieges gesprengt wurde. Seit 2003 kann nach abgeschlossener Sanierung der Stollen 200Meter begangen werden.
Weitere Bergbauspuren sind ringsrum zu verzeichnen: im Hüttengrund, im Gründelbachgebiet und im Bärenbachtal. Obwohl bei Olbernhau kaum Silbererze gefunden wurden, wurde weiter nach den Schätzen des Erzgebirges gesucht. Die Suche konzentrierte sich auf Zinn, Eisen und Kupfer. Die bedeutendsten Silberfunde liegen weit zurück. Im Jahre 1168 stieß man im heutigen Umfeld von Freiberg auf umfangreiche Silberadern. Gerade aus diesem Grunde waren solche


Zentren wie Annaberg, Schneeberg und Marienberg ins Blickfeld des herrschenden Feudaladels gerückt. Für den Markgrafen Otto von Meißen war es der Anlaß, sich verstärkt dem Bergbau zu widmen. Hier ging es um Reichtum und Macht. Die Ausbeute war gewaltig. Die Schatzbildung führte zu einem raschen Aufschwung der Produktivkräfte. Die Silbererzproduktion war das letzte treibende Moment, das Deutschland 1470 - 1530 ökonomisch an die Spitze Europas stellte.
Der Bergbau entsprach dem Fortschritt der Menschen. Man erkannte, dass sowohl der Ackerbau als auch der Bergbau notwendig sind. Der Fortschritt war nicht mehr aufzuhalten. Neue Technologien brachten bedeutende Produktionserfolge. Hans Leonhardt baute in der Wald- und Wasserreichen Landschaft bei Grünthal eine Saigerhütte, in der das Schwarzkupfer gesaigert werden konnte. Der historische Verdienst von Hans Leonhardt ist es, dass er mit dem Saigern von Kupfer in Grünthal einen völlig neuen Gewerbezweig im oberen Erzgebirge einführte und sesshaft machte. Fortan durfte alles Schwarzkupfer nur noch in Grünthal gesaigert werden.

Hüttengelände, Olbernhau-Grünthal

Hüttengelände, Olbernhau-Grünthal

Die Verarbeitung von Eisenerzen führte im Bereich von Olbernhau zur Errichtung von Rohrschmieden im Rungstocktal. Die daraus entstehende Gewehrindustrie erlangte eine solche Güte, dass in Olbernhau Gewehre für die sächsische Armee gefertigt wurden.





In der Olbernhauer Chronik ist vermerkt, dass der Bergmeister Donat Seyffner 1511 an Andreas Meyner ein Grubenfeld in Olbernhau verleiht. Hierbei kann es sich nur um die letzten Versuche gehandelt haben, nach Eisen und Zinn zu schürfen.
Durch den Rückgang des Bergbaus im 15. und 16. Jahrhundert mussten sich die Menschen im Erzgebirge neue Fähigkeiten aneignen. Entscheidend dafür war der vorhandene Rohstoff Holz und die Kraft des Wassers. Die Zinnverarbeitung wurde allmählich durch die Holzverarbeitung abgelöst. Es wurde gedrechselt; es entstanden Möbel, Küchengeräte, Kunstartikel und Spielzeug. Praktisch alle Handwerke mussten neu erlernt oder angesiedelt werden. Die Entwicklung vom dörflichen zum städtischen Handwerk nahm immer mehr Gestalt an.
Der rückläufige Bergbau gab weiter Anlass, sich auf die Landwirtschaft zu konzentrieren.
Olbernhau, anfangs Industriedorf mit einem Rittergut, drängte so stark nach vorn, dass es 1902 das Stadtrecht erhielt.
Die IG Bergbau und Mineralien Olbernhau und Umgebung e.V. gibt mit ihrer Arbeit Impulse, die




Freizeitaktivitäten Interessierter zu beleben. Zudem sollen Touristen und Einheimische die Möglichkeit haben, neben dem Saigern und der Bearbeitung des Kupfers auch den Bergbau hautnah erleben zu können. In Verbindung mit dem Besuch der Saigerhütte kann der Besucher dann den Abbau und die Verarbeitung von Anfang bis Ende direkt bei uns in Olbernhau kennenzulernen und erleben. Mit den Möglichkeiten der Erforschung der Heimat- und Montangeschichte will der Verein alle Bürger anspornen, sich mit dem wertvollen historischen Erbe der Region auseinander zu setzen. Dem Besucher Olbernhaus muss gezeigt werden, welche zentrale Bedeutung der Ort im Spielzeugland Erzgebirge hat und hatte. Weiter hat sich der Verein zum Ziel gesetzt, zusammen mit den tschechischen Nachbarn einen grenzüberschreitenden Wander- und Lehrpfad zu gestalten. Am Vereinsbergwerk soll eine Kaue (Huthaus) gebaut werden, um Besucher an der Anlage berggerecht empfangen zu können.
Dafür, und für die gesamte weitere Arbeit der IG, werden noch viel Kraft und jede Menge fleißige Hände gebraucht!

Glück Auf!

Horst Saalfrank

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