Brandau (Brandov)

Brandau

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Brandau
(tschechisch Brandov) ist eine Gemeinde in böhmischen Erzgebirge am Zusammenfluss von Natzschung, Schweinitz und Flöha. Zu Brandau gehört auch der Ortsteil Böhmisch Grünthal (tschech. Zelen D l) mit der Schweinitzmühle.
Die Gemeinde liegt im Bezirk Brüx in der Region Ústí, Tschechien. Sie wurde im 16. Jahrhundert gegründet. Die ersten schriftlichen Nachweise stammen aus dem Jahr 1549. Seinen Namen hat der Ort vermutlich von einer Brandrodung. Brandau war berühmt für Eisenfunde, viele Einwohner widmeten sich auch der Holzbearbeitung. Gottlieb Felix durch erwirbt durch Kauf von Georg von Carlowitz Grünthal und Brandau 1622 wurde das erste Mal die Kirche erwähnt. 1673 wurde Brandau zur Pfarrei. 1720-1730 erbaute man die barocke Kirche "Erzengel Michael". Aus dem Jahr 1730 stammt die Statue des Heiligen Johann Nepomuk. 1780 wurde die Pfarrei errichtet.
In den Jahren nach 1851 wurde gegenüber dem Haus Nr. 10 nach Kohle gesucht. Dieser Versuch war ohne Erfolg. Erst später wurden weitere Bohrungen durchgeführt, diesmal mit Erfolg. Man fand im Wald beim Pferdebach (Ko sk potok) Steinkohle. Kurz darauf wurde eine Gesellschaft gegründet, die von den Direktoren der Stahlwerke in Kalk geführt wurde. 1853 begann man mit der Gewinnung der Kohle. Die Grube erhielt den Namen "Gabriele" zu Ehren der Gräfin Marie Gabrielle von Buquoy, der Besitzerin des Schlosses Rothenhaus ( erven Hrádek). Nach dem Tod der Gräfin kam es zum Zerfall des Unternehmens. So arbeiteten 1876 nur noch 6 Bergarbeiter im Schacht.
Der Besitz von Rothenhaus wurde an die Tochter Isabella vererbt, deren Tochter Maria Gabriele den Prinz Ludwig Karl Gustav von Hohenlohe-Langenburg ehelichte. Der Prinz fiel am 26. Juli 1866 in der Schlacht bei Königgrätz (Hradec Kralove), seinen Besitz übernahm sein Sohn Gottfried.
1893 kaufte Johann Schlutius die Bergwerke. Er war Besitzer des Rittergutes Karow in Mecklenburg. Unter seiner Führung entwickelte sich das Unternehmen wieder. Von 15 Bergleuten wuchs die Anzahl der Arbeiter 1900 auf 92. Im Juni 1898 wurde das Bergwerk modernisiert, es wurde eine Bahn gebaut. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Brandau zum Pfarrdorf ernannt. Neben der Kirche St. Michael gab es im Dorf eine Post und eine Mühle. Es lebten hier 1168 deutsche Einwohner, die vor allem im Bergbau tätig waren und Holzspielzeug herstellten.
Zu Anfang des 20. jahrhundert wuchs die Anzahl der Bergarbeiter weiter und in der Nähe des Dorfes entstand eine Bergarbeiter Kolonie. Das Bergwerk bekam einen Dampfgöpel und ein weiterer Förderturm wurde in die Höhe gezogen. Der Förderschacht war inzwischen 600 Meter lang und 60 Meter tief. Das änderte sich nochmals als 1906 am oberen Ende des Dorfes ein weiterer Schacht eröffnet wurde ("Glückauf-Schacht") (Zda B h). Daneben wurde ein großes Gebäude mit Büros und Wohnungen für die Angestellten errichtet.
Der "Glückauf-Schacht" war mit einer Seilbahn mit Olbernhau in Sachsen verbunden. Hier wurde die meiste Kohle herübergebracht und unter den Namen "Olbernhauer Anthrazitkohle" vermarktet. 1910 wurden 172 Bergarbeiter beschäftigt.
Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde die Grenze zu Sachsen geschlossen. Auch die Telefonleitungen wurden gekappt und die Kohle lag nun in Brandau auf Halde. Erst nach langwierigen Verhandlungen durfte die Kohle wieder nach Sachsen befördert werden.
1921 wurde die Arbeit in den Bergwerken unterbrochen. Grund war die Hyperinflation der Deutschen Mark. Die Förderung wurde unrentabel. Die finanzielle Lage verschlechterte sich derart, dass Gabriel versteigert werden musste. Die Regierung unterband die Versteigerung, und "Gabriele" wurde geschlossen und demontiert. 1924 arbeiteten hier nur noch 73 Arbeiter. Viele der Einwohner mussten sich neue Arbeit suchen - als Bauarbeiter, Tischler oder Holzarbeiter, weitere fanden Arbeit in Bergwerken in Nordböhmen unter den Bergen, andere gingen zu den Walzwerken F.A. Lange in Grünthal, die auch in Böhmisch Grünthal (Zelen d l) Werksanlagen hatten . Landwirtschaft hatte hier nie die große Bedeutung, sie diente meist als Zusatzverdienst. 1930 lebten hier noch 2.473 Einwohner.
Während des 2. Weltkrieges überlegte man, ob man die Förderung nicht wieder aufnehmen sollte. 1942 wurde dieser Gedanke endgültig verworfen. Die Kohlereserven waren völlig aufgebraucht. 1947 wurde mit der Aussiedlung und Vertreibung der deutschen Bevölkerung begonnen. Für die deutsche Bevölkerung kamen zwar Einheimische, aber das Dorf verlor bis 1950 über 2000 Einwohner. Auch in den folgenden jahren ging die Anzahl der Einwohner stetig zurück. Heute leben hier 268 Menschen und das Dorf dient als Naherholungsort.

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